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Constantin Grosch steht an einem Stehtisch. Vor ihm eine Kamera und ein Mikrofon. Hinter ihm ein SPD Banner. Rechts neben ihm sitzt Matthias Gombach in einem Sofa und blickt zu ihm. Foto: Marcus Biewener

Kandidatur

Überzeugung & Haltung

Es freut mich, dass Sie sich für mich als Ihren Landtagskandidaten interessieren. Im Folgenden möchte ich erzählen, warum ich für den Landtag kandidiere.

Ich bin im Jahr 1992 geboren und in Hameln aufgewachsen. Nach dem Absolvieren meines Abiturs in der Handelslehranstalt und nach einem studienbedingten Aufenthalt in Bielefeld kehrte ich ins Weserbergland zurück. Hier bewohne ich nun einen kleinen Bungalow in der Hamelner Nordstadt und arbeite von hier aus für den Sozialhelden e. V. als Projektleiter und politischen Referent. Daneben bin ich seit vielen Jahren selbstständiger Vortragsredner und Berater für Sozialwirtschaft & Inklusion und übe Personalverantwortung für einen Betrieb mit acht Angestellten aus.

Das beantwortet aber noch nicht die Frage, warum ich für den Landtag kandidieren möchte.

Meine Antwort darauf hat viel damit zu tun, wie wir als Gesellschaft miteinander umgehen, für welche Ziele wir unsere Ressourcen einsetzen und wie wir Menschen behandeln, die anders sind als wir: Anders, weil sie aus einem anderen Land kommen, ein anderes Geschlecht haben, eine andere Meinung vertreten oder eine Behinderung haben, wie dies bei mir der Fall ist. Wie viele andere lasse ich mich nicht auf meine Behinderung reduzieren, aber sie ist ein Teil von mir, der mich prägt und den ich nicht verleugne.

Als ich nach Hameln kam, war ich acht Jahre alt und meine Mutter mit meiner Schwester und mir alleinerziehend. Es war für uns wirtschaftlich eine schwere Zeit. In Hameln konnte ich damals nicht aufs Gymnasium gehen, weil wir einerseits mit der Barrierefreiheit noch nicht so weit waren und weil das einzige rollstuhlgerechte Gymnasium einen Schulleiter hatte, der behinderte Schüler*innen und ihre Integrationshelfer*innen nicht willkommen hieß.

Wenn ich an diese Zeit zurückdenke und Politiker über “Einkommen, Familienstatus oder Bildungsabschlüsse” sprechen höre, werde ich das Gefühl nicht los, dass sie sich oft gar nicht bewusst sind, welche persönlichen Lebenssituation hinter solchen Zahlen und Kategorien stecken.

Ich habe mich immer zur Politik hingezogen gefühlt, weil ich nicht Objekt einer Gesellschaft sein wollte, sondern ein aktiver Teil von ihr. Gerade als Mensch mit einer Behinderung habe ich erlebt – und tue es noch immer – wie über Menschen gesprochen wird, statt mit ihnen. Wie anhand weniger Informationen über sie geurteilt wird.

Ich bin froh in diesem Land, einem demokratischen Rechts- und Sozialstaat, zu leben und ganz bestimmt kein Dauernörgler. Aber wir dürfen auch nicht unsere Augen vor den Schattenseiten verschließen: Vor den Löchern im Netz und den Ungerechtigkeiten, die Gesetze und Regeln in ihrer Abstraktheit zwangsläufig hervorbringen. Mich kontaktieren ständig Menschen, die an bürokratischen Hürden scheitern. Gerade als Politiker ist es meine Aufgabe, herauszufinden, warum Menschen nicht geholfen werden kann und Besserungen herbeiführen.

Seit über zehn Jahren betreibe ich Politik und ebenso lange bin ich als Interessenvertreter für Menschen mit Behinderungen in Deutschland aktiv. Ich weiß, wie sich Menschen verhalten, die sich mit Herzblut für eine Sache einsetzen und gewillt sind, alle Mittel und Wege dafür zu nutzen. Aber ich kenne auch die schwierige Rolle von Verwaltung und Politik. Die Sozialdemokratie ist groß und stark geworden, indem sie sich gezielt für die Interessen bestimmter Gruppen eingesetzt hat und gleichzeitig das große Ganze, unseren gemeinsamen Staat, nicht aus den Augen verloren hat.

Viele wichtige Projekte haben wir vor der Brust: Von der Digitalisierung die auch wirklich Menschen nutzt, über eine Energiewende die unseren Naturpark Weserbergland sichert oder den Erhalt und Förderung unseres dörflichen Lebens. Als Fraktionsvorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion weiß ich, dass bei jedem erfolgreichen Vorhaben verschiedene Ebenen zusammenarbeiten müssen.

Im Landkreis Hameln-Pyrmont konnte ich gemeinsam mit vielen Mitstreiter*innen große Projekte in den vergangenen Jahren Wirklichkeit werden lassen. Beispielhaft sei hier die deutschlandweit einmalige Tarifreform bei den Öffis genannt. Bei all den hitzigen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre im Kreistag Hameln-Pyrmont – von Wahlanfechtungen über politischen Hetzkampagnen gegen Landräte, habe ich für sachliche Auseinandersetzungen gestanden und bewahrte stets einen kühlen Kopf.

Ich bin davon überzeugt, dass es größerer Vielfalt in unseren Parlamenten bedarf. Aber ich bin mir noch sicherer, dass wir nur dann unsere großen Herausforderungen bewältigen können, wenn wir gemeinsam über alle Ebenen hinweg als ein Team arbeiten.

Ich möchte dazu in Zukunft meinen Beitrag als Landtagsabgeordneter für Rinteln, Hessisch Oldendorf und Hameln leisten.